About the photographer

Marcus Hofmann

Prof. Klaus Honnef über die Arbeiten von Marcus Hofmann:

Blumenkohl wie Weltraumgefährten, Gummimännchen wie ein neues Geschlecht aus dem Orbit, Insekten wie Microchips oder Microchips wie Insekten.
Nein, nicht wirklich, sondern es handelt sich um fotografische Bilder. Aber war nicht die Fotografie angetreten wahrhaftiger zu sein als die Malerei, keine Illusionen zu liefern?

Erinnern wir uns: Das Ziel der Malerei war die Illusion. Die berühmte antike Anekdote von Xerxses und Pareisius scheint darauf hinzuweisen. Der eine behauptete, er male die Trauben so realistisch, dass die Vögel sie aufzupicken versuchten. Der Rivale lud ihn darauf ein und als er ein Bild erblickte wollte Pareisius den Vorhang beiseite schieben, stellte aber fest, dass der Vorhang nur gemalt gewesen ist. Der Rivale hatte den Wettkampf gewonnen.

Die Sehnsucht nach Nachahmung -Mimesis- bestimmt die Geschichte der Malerei bis weit ins 19. Jahrhundert. Dagegen haben Philosophen stets gewettert. Täuschung haben sie geschrien und stattdessen die Kraft der Idee gegen die scheinbare Illusion der Malerei betont. Die Fotografie hat das Problem von Wahrheit und Illusion neu geschürzt.
Aber schon früh meinte der Filmkritiker Andre Basin, ihr gehöre der Glaube nicht das Wissen.

Vor diesem Hintergrund vollzieht sich die Arbeit von Marcus Hofmann. Sie vagabundiert sozusagen zwischen unteschiedlichen Sphären, zwischen Kunst und Kommerz, zwischen freischöpfender Tätigkeit und Fotografie im Auftrag, zwischen Methoden der Überzeugung und welchen der Überredung, zwischen Wahrheit und Illusion. Seine Fotografie dokumentiert und entwirft zugleich eine eigene Welt. Diese eigene Welt weist Gesetze sui generes auf. Diese Gesetze manifestieren sich in der Art und Weise des fotografischen Vortrags in Reihen, Serien und Sequenzen.

Ein Beispiel: Aus früherer Zeit eine Suite von Professoren seiner Hochschule. Keine übliche Bildnisfotografie. Die Abgebildeten konnten Pose und Umgebung selbst wählen. Sie traten als Selbstdarsteller auf. Wichtig war die Idee und die künstlerische Tat liegt in der Ausführung dieser Idee. Die Bilder stellen eine beliebige Anzahl von Realisaten der Idee dar.

Mitunter projiziert Marcus Hofmann auch eine imaginierte Welt in die Tatsächliche. Männer in orange versammeln sich zu einer kompakten Kiste die wiederum Platz findet vor der berühmten Abtei Brauweiler.

Der Umgang des Künstlers mit der Fotografie ist spielerisch. Der Fotograf und ein Künstler, nicht besonders deutsch, offen neugierig, lustig oft bisweilen ironisch. Der Fotograf scheut keine Tabus, inhaltlich nicht und auch nicht formal. Selbst vor den neuen Technologien hat er keine Angst, im Gegenteil, sie werden produktiv umgesetzt, gelegentlich auch unterwandert.

Ebenfalls sieht er Möglichkeiten für seine Arbeit die ihn schöpferisch reizt. Irgendwie durchsät seine gesamte fotografische Arbeit ein etwas gemilderter Geist der Anarchie. Bisweilen nimmt er Worte wörtlich und entlarvt sie anschaulich, also in Bildern als leere Worthülsen. Seine Inspirationsquellen sind Comics, Coyote Karl zum Beispiel aber auch das Universum des Spielzeugs, sicherlich das Kino, der gesamte Komplex des Sience Fiction.

Alle seine Bilder sind auf frappierende Weise fiktiv, aber dadurch entpuppten sie sich frappierend als wahr. Erst die Betonung des Fiktiven das freilich manchmal vom Wahren nicht zu unterscheiden ist, jedenfalls nicht so leicht und je weiter der technische Fortschritt reicht desto weniger gelingt es. Die Betonung des Fiktiven sprengt in seinen Bildern die Wahrheit frei.

So verraten die Bilder Intelligenz. Das Anschauliche, das sie vor Augen stellen löst Assoziationen beim Betrachten in verschiedenen Richtungen aus. Sie bilden Ketten und diese Assoziationsketten sind die Inhalte von Phantasie, Imagination und Traum. Kunst oder nicht, die Frage ist angesichts seiner Bilder unerheblich.

Die Aufnahmen eröffnen Spiel-, Vorstellungs- und Denkräume. Inszenierte Fotografie? Eher im Gegenteil, eine inszenierte Wirklichkeit in fotografischer Technik. Spiegelbilder sowohl als auch Gegenbilder der Realität.
Einerseits reflektieren sie das Fabrizierte, das Gemachte, aber auch das Verlogene und das Getürkte.
Andererseits entlarven sie durch ihre subtile Verführungskraft die Unzulänglichkeit der Versuche zu täuschen und ihre große Mittelmäßigkeit zu meistern.

Insofern stellen die Bilder eine Art Appell an uns Betrachter dar, es nicht damit zu belassen wie es ist, sondern genauer hinzuschauen und vielleicht auch die Dinge zu ändern.
Ergo könnte ihre geheime Botschaft lauten: Packen wir es endlich an!

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